Algen als Schlüssel für verbesserte biologische Abbaubarkeit von Kunststoffen
Wie lässt sich die biologische Abbaubarkeit von Kunststoffen gezielt verbessern? Mit dieser Fragestellung beschäftigten sich die Experten des Werkstoffforums und untersuchen gemeinsam mit GreenFoil Nature eine Lösung mit großem Potenzial für Umwelt und Industrie.
Im Fokus stand die Herausforderung, Kunststoffe für Anwendungen zu optimieren, bei denen Bauteile bewusst in der Umwelt verbleiben. Hier spielen vor allem zwei Faktoren eine entscheidende Rolle: die Abbauzeit und die jeweiligen Umgebungsbedingungen. Der Ansatz: ein neuartiges Polymer, in das Algen eincompoundiert werden. Erste Untersuchungen mittels Respirometer zeigen einen vielversprechenden Effekt – das Material weist ein beschleunigtes Abbauverhalten auf.
Vom Labor in die Praxis
Doch technische Machbarkeit allein reicht nicht aus. Entscheidend ist die Übertragung in reale Anwendungen. Eine überraschend naheliegende Idee: Golf-Tees. Statistiken zufolge „verschwinden“ pro Golfer monatlich ein bis zwei Tees in der Umwelt. Hochgerechnet auf rund 700.000 Golfer in Deutschland ergibt das zwischen 700.000 und 1,4 Millionen Tees pro Monat. Bei einem durchschnittlichen Gewicht von etwa einem Gramm summiert sich das auf bis zu 1,4 Tonnen Kunststoff monatlich – vorausgesetzt, es handelt sich um Kunststoff- und nicht um Holz-Tees.
Gemeinsam mit der HPT Kathenbach GmbH sowie der WiKa Erodiertechnik Wiehe + Kathenbach GmbH erprobte das Werkstoffforum das Material bei der Herstellung eines neuartigen Golf-Tees.
Neben dem Materialwechsel wurde das Produktdesign grundlegend überarbeitet. Das Ergebnis: eine Materialeinsparung von gut 30 Prozent. Dies reduziert nicht nur den Ressourcenverbrauch und unterstützt dadurch den schnelleren biologischen Abbau, sondern sorgt auch für einen zeitlich optimierten Spritzgusszyklus. Zusätzlich lässt sich das Material bei geringeren Schmelzetemperaturen verarbeiten als klassische Thermoplast.
Erfolgreich im Praxistest
Erste Tests auf dem Golfplatz bestätigen die Funktionalität des neuen Designs. Das Tee überzeugt durch seine Ausgewogene Mischung aus Flexibilität und Stabilität im Einsatz und bietet gleichzeitig verbesserte Umweltverträglichkeit.
Die Vorteile auf einen Blick:
- Hergestellt aus nachwachsenden Rohstoffen und Algen
- Langlebiger als klassische Holz-Tees und dennoch biologisch abbaubar
- Bis zu 30 % Materialeinsparung durch intelligentes Design
Ausblick
Im nächsten Schritt folgen umfassende Kompostierbarkeitsversuche. Dabei wird untersucht, wie schnell sich das Material unter realen Bedingungen auf dem Golfrasen abbaut und wie stark die Ergebnisse von Laborbedingungen abweichen. Auch die finale Farbgestaltung des Produkts wird derzeit weiterentwickelt.
Mit dieser Innovation zeigt das Werkstoffforum eindrucksvoll, wie Materialentwicklung und praxisnahe Produktgestaltung Hand in Hand gehen können – für zukunftsfähige Lösungen in der Anwendung.
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